Von der Erfindung des Farbfilms zu Chemie 4.0

Chemie

Sich neu erfinden – das gelingt der Chemieindustrie in Sachsen-Anhalt seit Generationen. Hier wurde der Farbfilm entwickelt und entstand vor rund 20 Jahren die Idee der Chemieparks, heute ist Chemie 4.0 gelebte Realität. 

„Der schönste Platz der Welt – eine Datsche in Bitterfeld“ – der einst spöttisch-sarkastische Satz hat in weniger als 30 Jahren sowohl Spott als auch Sarkasmus verloren. Bitterfeld ist immer noch eine große Chemieregion bietet aber zugleich mit der Bitterfelder Seenplatte ein faszinierendes Naherholungsgebiet. Es gibt Yachthafen, Strände, Ferienhäuser, Hausboote, Restaurants, Radwege, Motorbootrennen und einen Flair, der im Sommer eher ans Mittelmeer erinnert. Eine Region, die eindrucksvoll für Wandel und positive Entwicklung steht.

Grundlage des gelungenen Strukturwandels: Industrie, Wissenschaft und Politik zogen Mitte der 90er Jahre an einem Strang, um die Region wiederzubeleben und für wirtschaftlichen Aufschwung zu sorgen. So wurden Chemieparks gegründet, in denen die angesiedelten Unternehmen nicht nur eng miteinander vernetzt sind, sondern auch technologische Synergien und vorhandene Ressourcen nutzen.

Die Erfolgsgeschichte der Chemieparks begann 1996 als in Zeitz-Elsteraue und Leuna die ersten Chemie-Cluster eröffnet wurden, Schkopau/Böhlen, Priesteritz und Bitterfeld-Wolfen folgten. Heute vereinen die insgesamt fünf Chemieparks in Sachsen-Anhalt internationales Know-how der Branche: In Leuna haben zum Beispiel BASF, Total, Dow-Chemical und Arkema Firmensitze, in Zeitz-Elsteraue die Radici-Group, Puraglobe oder die Jowat Klebestoffe Gmbh. Sie produzieren Düngemittel, chemische Grundstoffe, Öle- und Schmieröle, Treibstoff, Adipinsäure für Nylon, technische Kunststoffe und vieles mehr. Rund 12.000 Menschen arbeiten in Sachsen-Anhalts Chemiebranche – in Produktion, Forschung, Dienstleistung und Verwaltung.

„Das Konzept des Chemieparks wurde in Sachsen-Anhalt erfunden. Es ist ein gutes Beispiel für modernes Denken. Innovative Chemieparks, moderne Anlagen und die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, Universitäten und Forschungseinrichtungen in Sachsen-Anhalt bieten einen klaren Standortvorteil.“

DR. REINER HASELOFF; MINISTERPRÄSIDENT SACHSEN-ANHALT

Die Chemiestandorte in Sachsen-Anhalt bieten beeindruckende Fakten: Am Standort Leuna wurden seit den 90er Jahren weit über 6,5 Milliarden Euro in Forschung und Anlagen investiert! Die Umweltbelastung konnte um durchschnittlich 95 Prozent gesenkt werden!

Längst ist Sachsen-Anhalt in der Ära der Chemie 4.0 angekommen: Digitalisierung und Automatisierung ermöglichen optimierte Produktionsprozesse, Ressourceneffizienz, Sicherheit für Menschen und Anlagen. Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit stehen im Fokus von Forschung und Entwicklung. 

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Besonders die fortschreitende Digitalisierung steht für Chemie 4.0. So setzt beispielsweise die CBW Chemie GmbH seit einigen Jahren am Standort Bitterfeld-Wolfen vermehrt auf Big-Data, das heißt alle vorhandenen Daten des Unternehmens werden erfasst, analysiert und so Arbeitsabläufe optimiert. Verbesserte Prozesse, mehr Effizienz – wichtige Bausteine, um den Chemiestandort Sachsen-Anhalt und Deutschland langfristig zu sichern.

Erfindergeist hat in dieser Region lange Tradition: In Wolfen wurde 1936 der erste praktikable Farbfilm der Welt von Agfa entwickelt. Weitere Innovationen nahmen hier ihren Anfang, wie einer der ersten produzierenden Phosphor-Ofen oder die großtechnische Produktion von synthetischen Edelsteinen.

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„Ziel muss sein, die Schadstoffausstöße konsequent weiter zu verringern.“

ANDREAS SCHÜPPEL; GESCHÄFTSFÜHRER PURAGLOBE

Modernes Denken, damals wie heute: Beispielhaft für aktuelle Innovationen stehen Andreas Schüppel (56), Geschäftsführer von Puraglobe im Chemiepark Elsteraue und Holger Günschel (63), Geschäftsführer der CRI Catalyst Leuna GmbH.

Seit 2004 re-raffiniert Puraglobe 150.000 Tonnen Altöl pro Jahr zu Basisölen der höchsten Güteklassen. Es ist das einzige Unternehmen, das das weltweit patentierte Verfahren HyLube™ für Altöl-Recycling anbietet. Und: Dank einer Weiterentwicklung des Verfahrens gelingt sogar die Herstellung von noch hochwertigeren synthetischen Ölen. „Das bedeutet noch weniger Reibung in den Motoren und einen verringerten Kraftstoffverbrauch“, so Geschäftsführer Schüppel. 

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Der Clou bei der Produktion dieser Superöle ist: Pro Tonne umgewandeltes Altöl werden 1,3 Tonnen CO2 gespart – im Jahr 130.000 Tonnen. Im Vergleich zur Primärproduktion des Mineralöls spart das neue Verfahren 60 Prozent an Treibhausgasen! In Deutschland kommen die Öle bislang im Motorsport zum Einsatz – zum Beispiel beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. „Aber mit jedem Tag steigt die Akzeptanz bei unseren europäischen und transatlantischen Kunden“, freut sich Andreas Schüppel.
„Für die neuen Super-Öle wird im nächsten Jahr eine neue Raffinerie angefahren“, erklärt er. Der gebürtige Altmärker arbeitete vor der Wende in der Raffinerie Leuna, studierte Verfahrenstechnik an der Technischen Hochschule „Carl Schorlemmer“ Leuna-Merseburg (THLM).
Andreas Schüppel ist ständig dabei, neue Ideen zu entwickeln, wie die Re-Raffinierung von Altölen weiter perfektioniert und noch umweltverträglicher wird: „Wir werden in naher Zukunft nicht auf Verbrennungsmotoren verzichten können. Ziel muss deshalb sein, die Schadstoffausstöße konsequent weiter zu verringern.“

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Rund 44 Kilometer weiter südlich erstreckt sich der Chemiepark Leuna mit der TOTAL-Raffinerie als Herzstück und über 150 Firmen. Ein Unternehmen ist die CRI Catalyst Leuna GmbH, hervorgegangen aus der KataLeuna. Bereits 1921 stellte die Firma kommerzielle Katalysatoren für die Ammoniak-Synthese her. Heute liefert CRI Catalyst gut 100 verschiedene Katalysatoren in die Welt und forscht stetig an Weiterentwicklungen. Egal, ob für Schmieröl, Wachs oder Kunststoff, die pulver- und granulatförmigen Stoffe von CRI Catalyst kommen weltweit zum Einsatz. Diplom-Ingenieur Holger Günschel ist seit zehn Jahren als Geschäftsführer von CRI Catalyst für mehr als 120 Mitarbeiter verantwortlich.

Sein ganzes Arbeitsleben hat Holger Günschel auf dem Gelände verbracht. Die Leuna-Werke zu verlassen, kam dem Verfahrenstechniker nie in den Sinn. Er wirft einen Blick aus dem Fenster: „Überall wachsen Rasen, Rosenrabatten, Bäume und Sträucher. Klare Luft, blauer Himmel.“ Holger Günschel genießt die Aussicht auf die Natur auf dem Gelände. Er kennt noch die alten Zeiten als die Leuna-Werke die Luft verpesteten und Tausende Tonnen umweltvergiftende Stoffe in den Himmel ausstießen. 

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Vieles hat sich gewandelt in der Chemiebranche. Heute stehen Umweltverträglichkeit und Ressourceneffizienz im Fokus: Ein dreistelliger Millionenbetrag wurde von CRI Catalyst in den vergangenen 20 Jahren in neue Anlagen investiert. Gerade erst wurde eine weitere Reduktionsanlage für 30 Millionen Euro in Betrieb genommen. Unter Berücksichtigung strengster Umweltauflagen und -Vorschriften. Alles computergesteuert, mit modernsten Sicherheits-systemen für Mensch, Produktion und Maschinen. Das zahlt sich aus: Die Jahresumsätze sind von knapp fünf Millionen DM kontinuierlich auf heute weit über 100 Millionen Euro jährlich angestiegen

Die Chemieindustrie in Sachsen-Anhalt ist ein Motor des technischen Fortschritts und der am stärksten expandierende Wirtschaftszweig Sachsen-Anhalts. Sie ist gerüstet, um unter dem Motto Chemie 4.0 zu neuen Ufern aufzubrechen: Wachstum durch Innovation in einer Welt im Wandel. 

Chemie 4.0, beschreibt aktuelle Entwicklungen in der Chemiebranche. Im Fokus stehen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und zirkuläres Wirtschaften. Sachsen-Anhalt als Kernland der ostdeutschen Chemieindustrie zählt zu den Vorreiterregionen in Deutschland. Gerade auf dem Gebiet der digitalisierten Prozess- und Produktionssteuerung sowie Forschung sind die Unternehmen in Sachsen-Anhalt Spitze. 

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