Menu
menu

Hoffnungsträger für Kranke

Prof. Milton T. Stubbs, Professor für Physikalische Biotechnologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, erforscht Proteine – die zentralen Bausteine des Lebens. Seine Arbeit am Weinberg Campus birgt Hoffnung für viele Menschen, da sie den Weg zu neuen Therapien ebnen kann, etwa gegen Alzheimer.

 

Sie forschen seit über 20 Jahren in Halle (Saale). Welche Ziele verfolgen Sie?

Milton T. Stubbs: Wir interessieren uns für die Vorgänge des Lebens. Der Organismus ist aus Zellen aufgebaut. Wenn man sich eine Zelle als eine Stadt vorstellt, dann ist der Zellkern das Rathaus, die DNS eine Art Bibliothek und alle Arbeiten in der Stadt werden von Proteinen durchgeführt. Die Proteine haben eine Architektur, die von den Genen vorgegeben wird. Diese Architektur oder Struktur erforschen wir, weil sich daraus Rückschlüsse ziehen lassen, wie die Arbeit in einer Zelle funktioniert.

 

Warum ist es wichtig, diese Funktionen der Proteine zu kennen?

Stubbs: Wenn man weiß, wie ein bestimmtes Protein aufgebaut ist, kann zum Beispiel die Pharmaindustrie chemische Verbindungen entwickeln, die seine Funktion beeinflussen. So entstehen durch unsere Grundlagenforschung am Ende beispielsweise neue Medikamente.

 

Sie sind seit 2002 in Halle-Wittenberg. Warum haben Sie sich dafür entschieden und sind bis heute geblieben?

Stubbs: Ich bekam ein Angebot aus Halle mit der Möglichkeit, meine eigene Forschungsrichtung auszubauen. Der Grundstein war damals bereits gelegt durch einen bestehenden Proteinforschungsschwerpunkt gemeinsam mit der damaligen Max-Planck-Forschungsstelle für Enzymologie der Proteinfaltung. Seitdem haben wir den Bereich zu einem wissenschaftlich angesehenen Ort ausgebaut, der mit modernsten Methoden die Proteine in all ihrer Vielfalt untersucht und versteht. Auch das wissenschaftliche Umfeld ist sehr gut, nicht zuletzt durch das Charles Tanford Proteinzentrum, das auf dem Weinberg Campus gebaut wurde. Außerdem habe ich hier eine Familie gegründet und Halle ist ein Ort, an dem man sehr gut leben kann.

 

Das Charles Tanford Proteinzentrum, dessen Sprecher Sie sind, ist ein Leuchtturmprojekt für Halle (Saale). Welche Kooperationen entstehen dadurch?

Stubbs: Wir haben zurzeit 13 verschiedene Gruppen im Charles Tanford Proteinzentrum, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Proteinforschung befassen, und wir arbeiten sehr gut zusammen. Dazu gehören Forscherinnen und Forscher aus der Biochemie, aus der Chemie, sowie aus der Pharmazie und der medizinischen Fakultät . So ergibt sich die Möglichkeit eines schnellen Austauschs. Wenn uns beispielsweise ein bestimmtes Spezialwissen fehlt oder wir nicht über ein besonderes Instrument verfügen, können wir sehr einfach Zugang dazu erhalten. Es ist ein idealer Ort für internationale Spitzenforschung und wir arbeiten hier sehr eng mit international anerkannten Fachleuten zusammen.

 

Sachsen-Anhalt verfügt über eine außergewöhnlich dichte Forschungslandschaft mit zahlreichen renommierten Instituten. Wie profitiert Ihre Arbeit von dieser Konzentration?

Stubbs: Auf unsere Forschung wirkt das sehr produktiv. Ein Beispiel: Der neue Sonderforschungsbereich zu pflanzenorientierter Proteinforschung unter Prof. Marcel Quint profitiert sehr von der Nähe zum Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben, das eine sehr gute Ausstattung hat. Wir haben auch einen regen Austausch mit der Außenstelle für Molekulare Wirkstoffbiochemie und Therapieentwicklung des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie. Und wir sind mit der lokalen Industrie verknüpft. Es gibt immer wieder Projekte, an denen wir uns beteiligen, zum Beispiel mit Unternehmen wie Navigo Proteins oder Vivoryon.

Wie wirkt sich KI-Technologie auf Ihre Forschung aus?

Stubbs: Das KI-System Alpha Fold von Google kann die 3D-Struktur von Proteinen vorhersagen. Das hat die Forschung revolutioniert, die KI-Entwickler bekamen vor zwei Jahren sogar den Nobelpreis. Einige meiner Kollegen spotteten sogar damals, dass wir Strukturbiologen alle arbeitslos werden. Ich sehe das entspannter: Die KI ist ein super Werkzeug, weil sie Hypothesen liefern und Lücken in unserem Verständnis füllen kann. Aber wir benutzen diese Art von Programmen sehr oft und bemerken, dass die Strukturen aus der KI noch nicht alle Antworten liefern. Wir bringen sie daher in Perspektive zu unseren eigenen Ergebnisse und machen dabei immer wieder überraschende Entdeckungen.

 

Was bedeutet für Sie als Wissenschaftler modernes Denken?

Stubbs: Modernes Denken bedeutet für mich, offen zu bleiben für neue Impulse und neues Verständnis. Gleichzeitig sollte man die Dinge kritisch hinterfragen und niemals blind vertrauen. Nehmen Sie das Beispiel der KI – man sollte immer noch selbst entscheiden, ob etwas plausibel ist oder nicht. Diesen Blick sollte man sich erhalten, auch wenn man ganz selbstverständlich mit solchen Technologien aufwächst.

 

Welche Visionen haben Sie für ihren Forschungsbereich in zehn Jahren?

Stubbs: Meine Hoffnung ist, dass wir immer komplexere Proteinsysteme verstehen können. Früher wurden Einzelproteine betrachtet oder stabile Verbunde einzelner Proteine. Aber wenn wir ein Verständnis von komplexeren Systemen bekommen, wie also Proteine miteinander kommunizieren und wechselwirken, dann können wir Prozesse viel gezielter steuern – und der Menschheit helfen.

Landesmotto #moderndenken

Modernes Denken ist ein Markenzeichen Sachsen-Anhalts. Hier haben über Jahrhunderte hinweg kluge Köpfe weltverändernde Ideen entwickelt, die ihrer Zeit voraus waren. Sechs Ideen aus dem heutigen Sachsen-Anhalt hat die UNESCO als Erbe der Menschheit anerkannt. Das Bundesland besitzt eine einmalige Dichte von Welterbestätten. Hinzu kommen UNESCO-Modellregionen für Nachhaltigkeit. Die Region bot über Jahrhunderte Freiräume, modern zu denken. Dieser Geist, Neues zu wagen und vorzudenken, wirkt bis heute fort. Das belegen die vielen positiven Beispiele der Kampagne www.moderndenken.de

Im Landesportal, bei Instagram (@moderndenken) und im Magazin #moderndenken stellen wir kleine und große Ideen sowie ihre Protagonisten vor: Menschen, Unternehmen, Vereine, die vordenken, handeln und die Zukunft gestalten.
Die Kampagne