Nachhaltige Lebensmittel
5 Fragen an: Prof. Wolfram Schnäckel, Seniorprofessor an der Hochschule Anhalt
Wie essen wir in der Zukunft? Prof. Schnäckel erforscht und entwickelt an der Hochschule Anhalt neue Lebensmittel, zum Beispiel wertvolle Ballaststoffe aus Hagebutten-Presskuchen oder Zellfleisch aus dem Labor.
Welche Ziele verfolgen Sie mit ihren Forschungsprojekten?
Wolfram Schnäckel: In meinem Team beschäftigen wir uns zum einen mit der nachhaltigen Verwertung von landwirtschaftlichen Rohstoffen und der Produktentwicklung. Zum anderen geht es um Technologieentwicklung, etwa zur Zerkleinerung, Trocknung, Reifung. Beim Zellfleisch zum Beispiel ist es uns mit Partnern gelungen, Fleisch auf einem serumfreien Nährmedium im Labormaßstab zu produzieren. Dafür müssen keine Tiere geschlachtet werden, der Einsatz von Antibiotika ist ausgeschlossen und künftige Produkte aus Zellfleisch würden aus heutiger Sicht auch wirtschaftlich funktionieren.
Wie lassen sich Hemmungen der Konsumenten gegenüber neuen Rohstoffen abbauen?
WS: Unser Eindruck ist, dass das gar nicht so schwierig ist. Die Verbraucher sind neugierig, man muss sie nur an die Produkte heranführen. Wenn die erste Hemmschwelle überwunden ist, sind die Leute bereit zu probieren.
Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen?
WS: Die Zusammenarbeit ist sehr wichtig. Mir wurde schon früh in meinem Leben klargemacht, dass alle wissenschaftlichen Höchstleistungen nichts nützen, wenn nicht irgendwo ein Anwendungsbezug ist. Das heißt immer, Projekte mit Wirtschaftspartnern umzusetzen – wenn möglich aus Sachsen-Anhalt.
Auf dem Campus Köthen entsteht das Interdisziplinäre Forschungszentrum für nachhaltige Lebensmittelproduktion, InFonaL – welche Vorteile wird das bringen?
WS: Wir sind überzeugt, dass wir dadurch noch enger mit der Wirtschaft in Kontakt kommen. Bislang sind wir in der Lage, labortechnische Versuche durchzuführen. Im InFonaL dagegen ist ein Technikum geplant, in dem man für begrenzte Zeit bestimmte Techniken mit Partnern im Industriemaßstab testen kann.
Was bedeutet für Sie modernes Denken?
WS: Modern Denken heißt für mich, einen Dreiklang in der Forschung herzustellen: Wirtschaftlichkeit, Ökologie, Nachhaltigkeit. Damit machen wir das Leben von uns allen ein bisschen besser und interessanter.

