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Mit Volldampf in die Zukunft

Katrin Müller muss nur aus ihrem Bürofenster schauen. Draußen dampft gerade der Früh-Zug Richtung Brockengipfel vorbei. Erst durch die Fachwerkstraßen von Wernigerode, später steil bergan durch dichten Buchenbestand, mit zunehmender Höhe durch immer lichter werdende Fichtenwälder. Aus den Zugfenstern winken erwartungsvolle Urlauber auf der Reise auf Norddeutschlands höchsten Berg. Der 1.141 Meter hohe Brocken hat auch Deutschlands höchsten Schmalspurbahnhof mit täglichem Dampfzugverkehr.

Katrin Müller lenkt seit 2023 die Geschicke eines ziemlich besonderen Stücks Sachsen-Anhalt (ein ganz bisschen Thüringen sowie ein winziger Hauch Niedersachsen gehören auch dazu). Sie ist Geschäftsführerin der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) – rollendes Museum, vitales Verkehrsmittel, wichtiger Tourismusfaktor in einem. Über eine Million Menschen fahren jährlich mit den Zügen der HSB. Tausende Dampflok-Enthusiasten pilgern in den Harz, um historische Technik zu bestaunen.

Die engagierte Chefin, aufgewachsen im Harzort Rieder, in Sicht-und Hörweite der zur HSB gehörenden Selketalbahn, hat von der Pike auf Tourismus und Betriebswirtschaft gelernt und studiert. In Halle (Saale), Cardiff und Wernigerode. Eine Studienarbeit über die Harzer Schmalspurbahn fesselte Katrin Müller dann endgültig an das Unternehmen. Praktikum, Mitarbeit in Marketing und Personalabteilung – und schließlich der Chefsessel. „Wir sind das weltweit größte Unternehmen, das noch fahrplanmäßig Dampflokomotiven im Personenverkehr einsetzt“, sagt die HSB-Geschäftsführerin. Vor ihrem Bürofenster faucht der nächste Zug vorbei – diesmal in die Gegenrichtung.

Katrin Müller ist verantwortlich für: 290 Mitarbeiter vom Heizer und Lokführer über Mechaniker, Gleisbauer bis hin zu Servicekräften. 25 historische Dampf-, zwölf Dieselloks, zehn Triebwagen und 137 Waggons. 140,2 Kilometer Schmalspurgleise, Spurbreite 1.000 Millimeter. Mit Brockenbahn (Wernigerode-Brocken), Harzquerbahn (Wernigerode-Nordhausen), Selketalbahn (Quedlinburg – Eisfelder Talmühle).

Die größte Herausforderung: Die in die Jahre gekommene Infrastruktur sowie den Fahrzeugpark zukunftssicher aufzustellen. „Wir wollen das komplette Streckennetz erhalten und auch weiter regelmäßig Dampfzugbetrieb anbieten“, sagt die Bahn-Chefin. Außerdem soll die Bahn als tägliches Nahverkehrsmittel attraktiver werden. Dazu steht eine Strecken-Erweiterung ins niedersächsische Braunlage auf der To-Do-Liste.

Ein umfängliches Gutachten listet auf, was hier alles zu tun ist: Mehr Wartungs- und Reparaturkapazitäten für die inzwischen mehr als 70 Jahre alten Dampfloks. Umweltfreundlichere Umrüstung auf Leichtöl statt Kohle als Brennstoff. Komplette oder teilweise Elektrifizierung des Streckennetzes, womöglich abschnittsweiser Betrieb mit Akku-Fahrzeugen, weitreichende Sanierung der Gleisanlagen … „Details sind noch in der Planung – alles ist nicht zuletzt auch eine Kostenfrage“, sagt Katrin Müller.

Aushängeschild, Leuchtturm, Schmuckstück – Verbindung von Tradition und Moderne: eine perfekte Imagewerbung für Sachsen-Anhalt. Und eine harte wie schöne Aufgabe für das Unternehmen. „Wir schaffen das“, sagt Chefin Katrin Müller. Da schnauft der nächste Dampfzug unter ihrem Bürofenster vorbei.

Landesmotto #moderndenken

Modernes Denken ist ein Markenzeichen Sachsen-Anhalts. Hier haben über Jahrhunderte hinweg kluge Köpfe weltverändernde Ideen entwickelt, die ihrer Zeit voraus waren. Sechs Ideen aus dem heutigen Sachsen-Anhalt hat die UNESCO als Erbe der Menschheit anerkannt. Das Bundesland besitzt eine einmalige Dichte von Welterbestätten. Hinzu kommen UNESCO-Modellregionen für Nachhaltigkeit. Die Region bot über Jahrhunderte Freiräume, modern zu denken. Dieser Geist, Neues zu wagen und vorzudenken, wirkt bis heute fort. Das belegen die vielen positiven Beispiele der Kampagne www.moderndenken.de

Im Landesportal, bei Instagram (@moderndenken) und im Magazin #moderndenken stellen wir kleine und große Ideen sowie ihre Protagonisten vor: Menschen, Unternehmen, Vereine, die vordenken, handeln und die Zukunft gestalten.
Die Kampagne