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Silicon Junction

Sachsen-Anhalt soll zum Zentrum der europäischen Chip-Produktion ausgebaut werden. Globale Player wie Intel oder Avnet haben große Pläne.

Silicon Junction. Diesen sehr nach Zukunft klingenden Namen hat Sachsen-Anhalt Pat Gelsinger zu verdanken. Er ist Chef eines der größten Chipkonzerne der Welt: Intel. Hauptsitz im kalifornischen Santa Clara, weltweit mehr als 120.000 Mitarbeiter.

Silicon Junction steht für Knotenpunkt der digitalen Zukunft. Sachsen- Anhalt soll mit der geplanten Großinvestition von Intel zum Zentrum der europäischen Chip-Produktion ausgebaut werden. Im Großraum Magdeburg will Intel für rund 17 Milliarden Euro neue Megafabriken bauen, tausende zum Teil hochqualifizierte Jobs entstehen. „Wir haben gespürt, dass Magdeburg hungrig ist nach einer so großen Ansiedlung”, sagt der Intel-Chef.

Der Standort in Sachsen Anhalt setzte sich gegen rund 70 Konkurrenten aus ganz Europa durch. Bis zuletzt machten sich auch Schwerin, Dresden und das bayerische Penzing Hoffnung, bis die Entscheidung im März für Magdeburg fiel. 2027 soll die Produktion starten.

 

Europäische Dimensionen

Intels Chip-Schmiede ist eines der größten Investitionsvorhaben der letzten Jahre in Europa. Die Ansiedlung wird von der Europäischen Union, der Bundesregierung und der Landesregierung unterstützt. Die geplanten Halbleiterfabriken in Magdeburg werden zentraler Mittelpunkt für den Aufbau eines hochmodernen Halbleiter-Ökosystems der nächsten Generation in Europa. Aktuell kommen 80 Prozent der Chips aus Asien. Aus dieser Abhängigkeit will sich Europa lösen, so EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.


Lage, Lage, Lage und viel Platz für die Zukunft

Für Magdeburg sprachen bei der Intel-Entscheidung die verkehrsgünstige Lage und die guten Voraussetzungen für eine komplexe Logistik. Über die Autobahnen 2 und 14 sowie die Bahnanbindung
ist der Standort von überall schnell zu erreichen. Die Flughäfen Leipzig-Halle oder Berlin/Brandenburg (BER) sind eine gute Autostunde entfernt. Auch die Wasserstraßen bieten mit dem Schnittpunkt von Elbe, Mittellandkanal und Elbe-Havel-Kanal logistische Vorteile für die Region.

450 Hektar, das entspricht etwa 620 Fußballfeldern, benötigt Intel für die Ansiedlung. Nirgends sonst stand bei den Mitbewerbern ein zusammenhängendes, ebenes, gleichzeitig erdbebensicheres
Grundstück in dieser Größe zur Verfügung. 2023 rollen die ersten Bagger an. Landesverwaltungsamt und Stadt arbeiten bereits intensiv mit Intel am Genehmigungsverfahren und den weiteren Planungen.


Ökologische und nachhaltige Pläne

Der für die Produktion benötigte Strom soll perspektivisch zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien generiert werden. Bis 2040, so die Konzernstrategie, will Intel komplett klimaneutral sein. Die Magdeburger Megafabrik soll von Anfang an mit Strom aus regenerativen Quellen arbeiten. Hier konnte das Bundesland Sachsen-Anhalt einen weiteren Trumpf ausspielen. Denn Sachsen-Anhalt ist beim Ausbau erneuerbarer Energien Vorreiter in Deutschland. Deutlich mehr als die Hälfte des erzeugten Stromes wird bereits aus nachhaltigen Quellen wie Windkraft, Sonnenenergie oder Biomasse erzeugt. Intel-Deutschland- Chefin Christin Eisenschmid: „Um ein so großes Projekt zu realisieren, ist die Unterstützung der regionalen Behörden und der Landesregierung entscheidend. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass Sachsen-Anhalt und die Stadt Magdeburg das Projekt zur Chefsache gemacht und in kurzer Zeit viel in Bewegung gesetzt haben.“ Pat Gelsinger: „Wir haben extrem schnelle Entscheidungen erlebt, dieses Projekt auf den Weg zu bringen”. Landeshauptstadt und Regierung haben das anfangs streng geheime Projekt (Deckname „Steuben”) auf der obersten Entscheidungsebene angesiedelt. Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff betraute Staatssekretär und Ansiedlungs-Experte Dr. Jürgen Ude mit den komplexen Hintergrund-Vorbereitungen. Der kümmerte sich um Milliarden-Zuschüsse von Bund und Europäischer Union und leitet jetzt die eigens eingerichtete Task Force „Silicon Junction”.

„Sachsen-Anhalt ist sehr stolz auf die Ansiedlung des Weltkonzerns Intel in Magdeburg. Unserer heimischen Industrie verleiht das einen Schub. Und der Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt erfährt eine ganz neue, internationale Wahrnehmung“, sagt Wirtschaftsminister Sven Schulze. „Wir haben dem Investor ein hervorragendes Gesamtpaket bieten können: unter anderem eine große zusammenhängende Fläche, in der Mitte Europas gelegen, eine sehr gute Verkehrsanbindung und die Nähe zu unserer renommierten Hochschullandschaft. Möglich wurde die Ansiedlung auch durch die gute Zusammenarbeit der Landesregierung und den beteiligten Kommunen“, so Schulze weiter.


Wirtschaftszentrum in der Mitte

„Unsere umfangreiche Bewerbung, die vielen Gespräche und die Schaffung der planerischen Voraussetzungen haben sich gelohnt”, sagt Magdeburgs Ex-Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. „Der geplante Bau der Mega-Chipfabrik von Intel wird die bislang größte Investition in der Geschichte unserer Stadt. Das Vorhaben des Chip-Herstellers wird der Entwicklung eine neue Dynamik geben, die Magdeburg zu einem Wirtschaftszentrum in der Mitte Europas wachsen lässt.“


Sog nach Sachsen-Anhalt

Sicher ist schon jetzt: Der Sog von Intel wird verstärkt Fachkräfte und Unternehmen aus der Branche nach Sachsen-Anhalt locken. Verbunden mit einem Aufschwung bei Wohnungsbau und Verkehrs-Infrastruktur. Der Konzern sieht sich bereits jetzt nach geeigneten Fachkräften um. Deutschland-Chefin Eisenschmid: „Bewerbungen werden ab sofort entgegengenommen”. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff wirbt ebenfalls um potenzielle Arbeitskräfte: „Wir brauchen Zuwanderung.‘‘ Außerdem sollen verstärkt Pendler aus den Nachbarbundesländern gewonnen
werden. Neben Magdeburg sind auch die benachbarten Landkreise, ganz Sachsen-Anhalt involviert und gefordert, diesen Kraftakt zu stemmen. Die Dimension der Intel-Ansiedlung hat eine bedeutende Wirkung für das gesamte Bundesland.


Experten-Schmiede vor Ort

Stichwort IT-Fachleute. Ein großer Teil der künftigen Intel-Mitarbeiter soll in Magdeburg ausgebildet werden. An der Otto-von-Guericke Universität werden gerade die Voraussetzungen geschaffen.

„Unsere Infrastruktur in der Physik und in der Elektrotechnik sind auf einem Stand, der es erlaubt, Spitzenforschung zu betreiben”, sagt Uni-Rektor Prof. Dr. Jens Strackeljan. „Wir haben durch unser technisch-naturwissenschaftliches Profil grundsätzlich auch ein breites Spektrum an anschlussfähigen Studienprogrammen und stehen jetzt vor allem vor einer Aufgabe: Wir müssen Fahrt aufnehmen, wenn wir im Wintersemester 23/24 mit neuen oder angepassten Programmen immatrikulieren wollen.”

Neben der Uni in Magdeburg haben auch die Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg und weitere Hochschulen in Sachsen-Anhalt Potenzial zur Ausbildung künftiger Fachkräfte. „Wir müssen die Dimension dieser Chance klar erkennen und weltweit auf die tollen Möglichkeiten in Magdeburg hinweisen”, sagt Uni-Rektor Strackeljan.


Lehre und Forschung

Zentraler Punkt ist die enge Verzahnung von Wirtschaft mit Lehre und Forschung. Sachsen-Anhalt ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Hochschullandschaft und zahlreiche Forschungsstätten. Forschungsinstitute, Universitäten und Hochschulen sind aufgefordert, an einer neuen Infrastruktur mitzuwirken. Neue Studiengänge werden entstehen, Fachkräfte ausgebildet und die Forschung im Bereich Halbleitertechnologie wird ausgebaut werden.

Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft: „Der geplante Intel-Fertigungsstandort für höchstintegrierte Prozessoren ist ein weiterer wichtiger Grundstein für Innovationen made in Deutschland und Europa – auch durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Intel und der Fraunhofer- Gesellschaft. In der Partnerschaft von Halbleiterindustrie und Fraunhofer-Gesellschaft im Bereich des Chip-Designs, der Forschung an neuen Prozessen der Halbleiterfertigung sowie der Heterointegration werden wichtige Beiträge zur Sicherung des Technologiestandorts Deutschland geleistet.“ Inzwischen haben auch globale Player von Volkswagen über Amazon, Computerfirmen wie Infineon, Qualcomm und Nvidia Interesse an einer Zusammenarbeit mit Intel in Sachsen-Anhalt bekundet.


Weitere Unternehmen folgen

Nicht mal 50 Kilometer südlich von Magdeburg entsteht ein weiteres Tech-Zentrum. Das US Unternehmen Avnet investiert in Bernburg 225 Millionen Euro in ein Verteilzentrum für Halbleiter- Elektronik. Bis zu 700 Jobs sollen hier entstehen.

„Für den wachsenden Markt für Halbleiter und elektronische Bauteile und im Rahmen der Umsetzung der Avnet- Wachstumsstrategie in Europa werden wir in Bernburg in ein Hochleistungsdistributionszentrum mit rund 56.000 Quadratmetern Logistikfläche investieren und mehrere hundert Arbeitsplätze schaffen”, sagt Roswitha Heiland, Vice President Avnet Logistics. „Ausschlaggebend für den Standort ist vor allem die zentrale Lage in Europa sowie die Anbindung zum Flughafen Leipzig-Halle. Zudem bauen wir auf eine enge Kooperation mit den regionalen Fachschulen, Fachhochschulen und Universitäten. Die schrittweise Inbetriebnahme ist für 2024 vorgesehen. Wir planen dann täglich bis zu 19.000 Pakete an unsere über 30.000 Kunden weltweit auszuliefern.”

„Sachsen-Anhalt wird für Großinvestitionen renommierter Unternehmen immer interessanter”, sagt Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff. „Viele hochqualifizierte, zukunftsträchtige und gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen. Wir sind ein Aufsteigerland.”


Unterstützung vom Bund

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, hat angekündigt, Investitionsvorhaben in die Mikroelektronik in diesem Jahr mit rund 2,7 Milliarden Euro zu begleiten. In den darauffolgenden Jahren könnten weitere rund zwölf Milliarden Euro fließen - zu einem großen Teil nach Sachsen-Anhalt. „Das europäische Zentrum der Mikroelektronik wird in Ostdeutschland sein”, sagt Schneider.

All diese Stränge werden in den kommenden Jahren zum Digitalknoten verknüpft. Sachsen-Anhalt ist auf dem Weg zur Silicon Junction, zum Knotenpunkt der digitalen Zukunft.


Idee

Sachsen-Anhalt soll zu einem Knotenpunkt der digitalen Zukunft ausgebaut werden. Die geplanten Halbleiterfabriken in Magdeburg sind zentral für den Aufbau eines hochmodernen Halbleiter Ökosystems der nächsten Generation in Europa. Aktuell kommen 80% der Chips aus Asien. Aus dieser Abhängigkeit will sich Europa lösen.

Sachsen-Anhalts Landesmotto: #moderndenken

Modernes Denken ist ein Markenzeichen Sachsen-Anhalts. Hier haben über Jahrhunderte hinweg kluge Köpfe weltverändernde Ideen entwickelt, die ihrer Zeit voraus waren. Sechs Ideen aus dem heutigen Sachsen-Anhalt hat die UNESCO als Erbe der Menschheit anerkannt. Das Bundesland besitzt eine einmalige Dichte von Welterbestätten. Hinzu kommen UNESCO-Modellregionen für Nachhaltigkeit. Die Region bot über Jahrhunderte Freiräume, modern zu denken. Dieser Geist, Neues zu wagen und vorzudenken, wirkt bis heute fort. Das belegen die vielen positiven Beispiele der Kampagne www.moderndenken.de

Im Landesportal, bei Instagram (@moderndenken) und im Magazin #moderndenken stellen wir kleine und große Ideen sowie ihre Protagonisten vor: Menschen, Unternehmen, Vereine, die vordenken, handeln und die Zukunft gestalten.
Die Kampagne