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Hoff­nungs­trä­ger grü­ner Was­ser­stoff

Grü­ner Was­ser­stoff gilt als En­er­gie­spei­cher der Zu­kunft und wich­ti­ger Bau­stein für die En­er­gie­wen­de. Sachsen-​Anhalt soll zur Mo­dell­re­gi­on aus­ge­baut wer­den. Die ge­star­te­ten Groß­pro­jek­te sind auch wich­tig für den Struk­tur­wan­del im Re­vier.


Wie kann die En­er­gie­wen­de ge­lin­gen? Nach An­sicht von Ex­per­ten spielt die Nut­zung von Was­ser­stoff eine Schlüs­sel­rol­le. Grü­ner Was­ser­stoff gilt als Lö­sung, CO2-​Emissionen zu sen­ken und die Um­welt sau­be­rer zu ge­stal­ten. Er ist ein Hoff­nungs­trä­ger zur Spei­che­rung um­welt­freund­lich pro­du­zier­ter En­er­gie, z.B. aus Was­ser, Wind oder Sonne. Die Bun­des­re­gie­rung sieht in dem En­er­gie­trä­ger große Chan­cen und hat des­halb eine Na­tio­na­le Was­ser­stoff­stra­te­gie auf­ge­legt. Im Zen­trum von For­schung und In­no­va­ti­on steht unter an­de­rem das Bun­des­land Sachsen-​Anhalt. 

Sachsen-​Anhalts Mi­nis­ter­prä­si­dent, Dr. Rei­ner Ha­se­loff, be­tont: „Für einen In­dus­trie­stand­ort wie Sachsen-​Anhalt ist die Um­set­zung der En­er­gie­wen­de eine rie­si­ge Her­aus­for­de­rung. Das be­trifft ins­be­son­de­re die Kom­pen­sa­ti­on eines ver­läss­li­chen En­er­gie­trä­gers wie der Braun­koh­le. Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Po­li­tik sind des­halb hoch­am­bi­tio­niert, die En­er­gie­wen­de mit zu ge­stal­ten. Ein wich­ti­ges Thema dabei ist die Nut­zung von grü­nem Was­ser­stoff. Was­ser­stoff ist das idea­le Spei­cher­me­di­um für er­neu­er­ba­re En­er­gien. Wird er aus er­neu­er­ba­ren En­er­gien ge­won­nen, ist er ab­so­lut emis­si­ons­frei.“

In Sachsen-​Anhalt sind mil­lio­nen­schwe­re Groß­pro­jek­te ge­star­tet. Dafür haben sich mehr als 100 Un­ter­neh­men, wis­sen­schaft­li­che In­sti­tu­te und For­schungs­ein­rich­tun­gen aus ganz Deutsch­land zum Ver­bund „HYPOS“ (Hy­dro­gen Power Sto­rage & So­lu­ti­ons East Ger­ma­ny) zu­sam­men­ge­schlos­sen. Das HYPOS-​Konsortium wird vom Bun­des­for­schungs­mi­nis­te­ri­um ge­för­dert.

Welt­weit ers­ter grü­ner Was­ser­stoff­spei­cher

Der En­er­gie­kon­zern VNG ist einer der Pro­jekt­part­ner. Er be­treibt in Bad Lauch­städt eine Erd­gas­spei­cher­an­la­ge mit Ka­ver­nen, das sind rie­si­ge, un­ter­ir­di­sche Hohl­räu­me in über 900 Me­tern Tiefe und bis zu 180 Me­tern hoch. Zum Ver­gleich: Das Leip­zi­ger Völ­ker­schlacht­denk­mal würde etwa zwei­mal in die Ka­ver­nen in Bad Lauch­städt pas­sen. VNG will nun einen Teil die­ser An­la­ge für den grü­nen Was­ser­stoff um­rüs­ten: In einer der un­ter­ir­di­schen Salz­ka­ver­nen soll der welt­weit erste Spei­cher für grü­nen Was­ser­stoff ent­ste­hen.

Cor­ne­lia Müller-​Pagel lei­tet den Be­reich „Grüne Gase“ bei der VNG. „Wir sind der fes­ten Über­zeu­gung, dass Was­ser­stoff ein fes­ter Be­stand­teil im En­er­gie­mix wer­den wird. Mit Strom al­lein wer­den wir die Kli­ma­zie­le im Wär­me­markt, im Ver­kehr und in der In­dus­trie nicht er­rei­chen“, sagt die Ex­per­tin.

Was sich nach einer Zu­kunfts­vi­si­on an­hört, soll im Süden von Sachsen-​Anhalt be­reits in ei­ni­gen Jah­ren Rea­li­tät sein: die Um­wand­lung von Wind­ener­gie in Was­ser­stoff, des­sen Spei­che­rung und Trans­port. Die Pläne sehen vor, den grü­nen Was­ser­stoff von Bad Lauch­städt dann über um­ge­wid­me­te Erd­gas­lei­tun­gen zum Che­mie­stand­ort Leuna zu trans­por­tie­ren.

Grü­ner Was­ser­stoff als Bau­stein für den Struk­tur­wan­del

Ge­mein­sam mit den Bun­des­län­dern Bran­den­burg und Sach­sen will Sachsen-​Anhalt die grüne Was­ser­stoff­wirt­schaft als wich­ti­gen Bau­stein für den Struk­tur­wan­del in der Re­gi­on vor­an­brin­gen und dazu die not­wen­di­gen Rah­men­be­din­gun­gen schaf­fen. Umwelt-​ und En­er­gie­mi­nis­te­rin Prof. Dr. Clau­dia Dal­bert er­klärt: „Wir wol­len das Mit­tel­deut­sche Re­vier und Sachsen-​Anhalt im Zuge des Braun­koh­le­aus­stiegs und des damit ein­her­ge­hen­den Struk­tur­wan­dels zur Wasserstoff-​Modellregion ent­wi­ckeln. Dabei kön­nen wir in Sachsen-​Anhalt auf lang­jäh­ri­ge Er­fah­run­gen zur Was­ser­stoff­nut­zung so­wohl in der Wirt­schaft, ins­be­son­de­re im Mit­tel­deut­schen Che­mie­drei­eck, als auch in der For­schung bauen.“

Vor allem im Be­reich der en­er­gie­in­ten­si­ven Grund­stoff­in­dus­trien, wie etwa der Chemie-​, Stahl, Papier-​ oder Glas­in­dus­trie kann die Nut­zung von er­neu­er­ba­rem Was­ser­stoff ein er­folg­ver­spre­chen­der An­satz zur Kli­ma­neu­tra­li­tät wer­den.

Wirt­schafts­mi­nis­ter Prof. Dr. Armin Wil­ling­mann er­gänzt: „In der Theo­rie ist grü­ner Was­ser­stoff ein ech­ter Al­les­kön­ner: Er macht er­neu­er­ba­re En­er­gien spei­cher­bar und bie­tet enor­mes Po­ten­zi­al als nach­hal­ti­ger Roh­stoff für un­se­re che­mi­sche In­dus­trie. Jetzt kommt es dar­auf an, dem aus über­schüs­si­gen Solar-​ und Wind­strom er­zeug­ten Was­ser­stoff auch in der Pra­xis – und das heißt im in­dus­tri­el­len Maß­stab – zum Durch­bruch zu ver­hel­fen.“

For­scher un­ter­su­chen Ein­satz­ver­hal­ten des grü­nen Was­ser­stoffs

Bis­her ist die Er­zeu­gung von grü­nem Was­ser­stoff drei­mal so teuer wie die Er­zeu­gung aus Erd­gas und somit noch nicht wirt­schaft­lich. Das wol­len For­scher des Fraunhofer-​Instituts für Mi­kro­struk­tur von Werk­stof­fen und Sys­te­men IMWS mit Un­ter­stüt­zung des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums än­dern. In Leuna ist der Start­schuss für den Bau einer Elektrolysetest-​ und Ver­suchs­platt­form ge­ge­ben wor­den. In der 9,2 Mil­lio­nen teu­ren In­fra­struk­tur, die vom Land mit 8 Mil­lio­nen Euro ge­för­dert wird, wol­len die For­scher die wirt­schaft­li­che Her­stel­lung von grü­nem Was­ser­stoff vor­an­trei­ben. Ziel sei, Kom­pe­ten­zen auf­zu­bau­en und Tech­no­lo­gien zu ent­wi­ckeln, die welt­weit ge­fragt sind. Wir wol­len die sehr gute Aus­gangs­po­si­ti­on Mit­tel­deutsch­lands noch aus­bau­en“, sagt Mi­cha­el Kraft, Pres­se­spre­cher des Fraun­ho­fer IMWS.

Dr.-Ing. Syl­via Schat­tau­er, stell­ver­tre­ten­de Lei­te­rin des Fraun­ho­fer IMWS und Lei­te­rin des Ge­schäfts­felds Was­ser­stoff­tech­no­lo­gien, ist be­geis­tert vom Pro­jekt. „Die große Un­ter­stüt­zung der Lan­des­re­gie­rung Sachsen-​Anhalt be­fä­higt uns und un­se­re Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner, das aus­ge­präg­te In­ter­es­se und den re­el­len Be­darf der In­dus­trie an in­no­va­ti­ven, nach­hal­ti­gen An­sät­zen sowie die um­fang­rei­che Ex­per­ti­se zu die­sen The­men in der For­schungs­land­schaft zu­sam­men­zu­füh­ren und nach­hal­tig zu eta­blie­ren.“

Neben der Her­stel­lung und der Spei­che­rung von grü­nem Was­ser­stoff wird auch die An­bin­dung er­forscht. Der Was­ser­stoff muss zum Ver­brau­cher, zur In­dus­trie oder zum Pri­vat­haus­halt flie­ßen. In Leuna sind an­säs­si­ge Un­ter­neh­men, wie die Total-​Raffinerie und Linde, be­reits größ­ten­teils an das Wasserstoff-​Netz an­ge­schlos­sen.

Im Che­mie­park Bitterfeld-​Wolfen ist un­ter­des­sen ein ein­ma­li­ges Ver­suchs­feld auf­ge­baut wor­den. Auf 12.000 Qua­drat­me­tern hat „HYPOS“ ein „Was­ser­stoff­dorf“ ge­grün­det, das die Ver­tei­lung von Was­ser­stoff bis hin zum An­schluss an Pri­vat­haus­hal­te si­mu­lie­ren soll. Im H2-​Home-Projekt wer­den Rohr­sys­te­me ge­sucht, in denen das Gas mit mög­lichst ge­rin­gen Ver­lus­t­ra­ten wei­ter­ge­lei­tet wird. Da Was­ser­stoff von Natur aus farb- und ge­ruchs­los ist, könn­te er sich im Falle eines Lecks un­be­merkt ver­tei­len. Die HYPOS-​Partner un­ter­su­chen des­halb auch Mög­lich­kei­ten, dem Was­ser­stoff Ge­rü­che bei­zu­mi­schen, die vor mög­li­chen Ge­fah­ren war­nen.

Es gibt in Sachsen-​Anhalt wei­te­re Pro­jek­te, die die Energie-​ und Mo­bi­li­täts­wen­de vor­an­trei­ben. In Staß­furt soll mit Strom aus einem neuen Wind­park grü­ner Was­ser­stoff pro­du­ziert wer­den. Was­ser­stoff wird Erd­gas bei­gemischt und zur Wär­me­ver­sor­gung von Stadt-​Wohnungen ge­nutzt. Busse und Autos in Staß­furt tan­ken es statt Die­sel oder Ben­zin an einer ei­ge­nen Zapf­säu­le an einem Au­to­hof in Brum­by. Pro­jekt­part­ner der „En­er­gie­re­gi­on Staß­furt“ ist das Mag­de­bur­ger Fraunhofer-​Institut für Fa­brik­be­trieb und -​automatisierung IFF, das ein re­gio­na­les Kon­zept zur Nut­zung er­neu­er­ba­rer En­er­gie auf Stadt­ebe­ne er­ar­bei­tet.

Auch die Schie­ne will mit Hilfe des Was­ser­stoffs grün wer­den. In der Re­gi­on An­halt tritt das Bahntechnologie-​Cluster TRAINS mit mehr als 50 re­gio­na­len Part­nern an, um be­stehen­de Trieb­zü­ge auf sau­be­re Gas­mo­to­ren, die grü­nen Was­ser­stoff nut­zen, um­zu­rüs­ten.

Mi­cha­el Kraft vom Fraun­ho­fer IMWS fasst den Stand der Ent­wick­lung des Was­ser­stoffs in Sachsen-​Anhalt zu­sam­men. „Viele Be­tei­lig­te aus In­dus­trie, For­schung und Po­li­tik dre­hen an vie­len Stell­schrau­ben, um die Was­ser­stoff­wirt­schaft zu eta­blie­ren. Dafür braucht es in­no­va­ti­ve Lö­sun­gen, deren Ein­satz sich für die Un­ter­neh­men rech­net.“ Die In­dus­trie habe selbst ein gro­ßes In­ter­es­se an die­sem Zu­kunfts­the­ma. Die Un­ter­neh­men wol­len nach­hal­ti­ger ar­bei­ten und grü­ner Was­ser­stoff sei ein Pro­dukt, das in der Re­gi­on her­ge­stellt werde und viel zur CO2-​Einsparung bei­tra­gen kann. Zudem wach­se auch bei den Kun­den immer mehr das Be­wusst­sein zur Nach­hal­tig­keit.

mehr In­for­ma­tio­nen

Quel­le: Me­di­en­agen­tur Mit­tel­deutsch­land, 2020

Lan­des­mot­to #mo­dern­den­ken

Mo­der­nes Den­ken ist ein Mar­ken­zei­chen Sachsen-​Anhalts. Hier haben über Jahr­hun­der­te hin­weg kluge Köpfe welt­ver­än­dern­de Ideen ent­wi­ckelt, die ihrer Zeit vor­aus waren. Sechs Ideen aus dem heu­ti­gen Sachsen-​Anhalt hat die UNESCO als Erbe der Mensch­heit an­er­kannt. Das Bun­des­land be­sitzt eine ein­ma­li­ge Dich­te von Welt­erbe­stät­ten. Hinzu kom­men UNESCO-​Modellregionen für Nach­hal­tig­keit. Die Re­gi­on bot über Jahr­hun­der­te Frei­räu­me, mo­dern zu den­ken. Die­ser Geist, Neues zu wagen und vor­zu­den­ken, wirkt bis heute fort. Das be­le­gen die vie­len po­si­ti­ven Bei­spie­le der Kam­pa­gne www.mo­dern­den­ken.de

Im Lan­despor­tal, bei In­sta­gram (@mo­dern­den­ken) und im Ma­ga­zin #mo­dern­den­ken stel­len wir klei­ne und große Ideen sowie ihre Prot­ago­nis­ten vor: Men­schen, Un­ter­neh­men, Ver­ei­ne, die vor­den­ken, han­deln und die Zu­kunft ge­stal­ten.
Die Kam­pa­gne