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Bauhaus – Digital und nachhaltig

Bauhaus-Direktorin Dr. Barbara Steiner will den Strukturwandel in Sachsen-Anhalt auf verschiedenen Ebenen aktiv begleiten.

Die EU-Kommission hat die Initiative „Das Neue Europäische Bauhaus“ gestartet. Welche Rolle soll das Bauhaus Dessau da spielen?

BS: Das Neue Europäische Bauhaus ist eine europäische Initiative, an der sich auch das Land Sachsen-Anhalt beteiligt. An der Schnittstelle von Kunst, Kultur, sozialer Inklusion, Wissenschaft und Technologie gilt es, Gestaltung ganzheitlich zu denken, Allianzen über institutionelle Grenzen hinaus zu bilden und zivilgesellschaftliche Initiativen miteinzubeziehen. Unser Hauptbeitrag setzt bei der nachhaltigen kulturellen Bildung an. Konkret geht es unter anderem um die Bauhaus Agenten in Zeitzer Schulen. Mit jugendlichen Akteuren wurden Ideen entwickelt, Stärkungs- und Vernetzungspotentiale identifiziert und in einem „Papier der Möglichkeiten“ niedergeschrieben. Warum Zeitz? Die Stadt ist vom Kohleausstieg und seinen Folgen besonders betroffen. Gleichzeitig finden sich wesentliche Voraussetzungen für einen vielversprechenden Strukturwandel: Ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept, erprobte Beteiligungsstrategien, ein Stadtrat mit Weitblick, eine strategische kommunale Liegenschaftspolitik sowie kreative Investoren.

Was bedeutet das EU-Projekt „Neues europäisches Bauhaus” - Schlagworte nachhaltig, funktional, ästhetisch – für Dessau?

BS: Auch in Dessau-Roßlau fragt man sich, wie kann ökologische und soziale Transformation bis spätestens 2045 gelingen, wie können neue Energiequell erschlossen, umweltfreundliche Industrien etabliert, wie kann eine neue nachhaltige Lebensweise zu unser aller Alltag werden? Hier geht es auch um Gestaltungsfragen – mit denen sich die Akademie intensiv befasst. Diese Programme, darunter ein Masterstudiengang zusammen mit der Hochschule Anhalt und der Humboldt-Universität, ziehen jährlich viele junge Menschen aus aller Welt nach Dessau. Uns interessiert aber auch, in die Umsetzung zu kommen, also prototypische Vorschläge vor Ort zu entwickeln. An der Stelle schließt sich der Bogen wieder zum Neuen Europäischen Bauhaus.

Das neue Bauhausmuseum wurde zum Museum des Jahres gewählt. Was ist das Besondere am Museum?

BS: Die deutsche Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbands AICA hat dem Bauhaus Museum Dessau den Titel „Museum des Jahres 2020“ verliehen. Dabei wurden Architektur und Sammlungspräsentation ausgezeichnet. Das Museum stellt eine Verbindung von Stadt und Natur, von Einkaufszentrum und öffentlichem Park dar. Das Erdgeschoss ist im Sinne eines niederschwelligen Zugangs für die weitere Entwicklung des Museums zentral. Von Anfang an als Zone der Begegnung geplant, konnte dieses Vorhaben nach der Eröffnung – im Wesentlichen pandemiebedingt – nur teilweise verwirklicht werden. Wir wollen hier einen klimatisierten Raum für Wechselausstellungen etablieren und ein attraktiveres Foyer schaffen, das bereits dort Einblick in die Arbeit unserer Stiftung gibt.

Welche besondere Geschichte erzählt uns die Ausstellung im Bauhausmuseum?

BS: Die Sammlungspräsentation rückt die Lehr- und Lerntätigkeit in den Mittelpunkt, betont also die kreativen Prozesse, die es am Bauhaus gab. Es geht weniger um die berühmten Meister. Hier werden auch die Leistungen der Studierenden sichtbar – darunter viele großartige Künstlerinnen, die bislang eher im Schatten der Aufmerksamkeit standen.

Das Bauhaus ist ein Wahrzeichen Sachsen-Anhalts. Welche Faszination und Bedeutung hat die Ikone der Moderne heute noch?

BS: Die Faszination ist nach wie vor riesig. Nach 1933 wurde das Bauhaus zur Legende, zum Mythos, zur Weltkulturerbestätte. Und zur Projektionsfläche für besseres, schöneres Wohnen. Manche sahen darin gar einen Stil, sogar ein Baumarkt fühlte sich inspiriert. Der Name Bauhaus taucht an allen Ecken und Enden auf. Und es wird fortlaufend neu interpretiert – die Initiative rund um das Neue Europäische Bauhaus stellt ja nur eines der jüngsten Beispiele dar. Es zeigt sich: Das Bauhaus ist in der Lage unterschiedlichste Menschen und Gruppen zu mobilisieren.

Was ist aktuell Ihre größte Herausforderung?

BS: Die Transformation der Stiftung zu einer digital und nachhaltig aufgestellten Institution. Hier gibt es noch einiges zu tun. Was mich gerade sehr beschäftigt: Die künftige Nutzung der Schultheiss-Brauerei, ein altes Industriegelände mit viel Potenzial mitten in Dessau. Wir und die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz haben dort Depots. Das Objekt befindet sich in einem rechtlich schwebenden Zustand. Hier wollen wir als Stiftung zusammen mit Partnern Perspektiven aufzeigen. Die Brauerei ist ein bedeutendes Ensemble der Industriekultur – und ich bin nicht die Einzige, die davon überzeugt ist, dass sich daraus etwas machen lässt.

Ist das Bauhaus nicht mehr als nur Museum? Was sehen wir da in der Zukunft? Was hat Sachsen-Anhalt der Welt hier noch zu geben?

BS: Seit jeher ist die Hybridität eine Stärke der Stiftung Bauhaus Dessau, auch wenn sich die Schwerpunkte im Laufe der Zeit verschoben haben. Als wichtige Bereiche sind Kunst- und Designsammlung sowie Denkmalpflege hinzugekommen – mit dem Bauforschungsarchiv. In beiden Bereichen wollen wir modellhaft wirken. Auch von der Kuratorischen Werkstatt wird man bald mehr hören.

Was fasziniert Sie persönlich besonders an Sachsen-Anhalt?

BS: Das Land finde ich aufgrund seiner kulturellen Vielgestaltigkeit faszinierend. Das ist ein unschätzbarer Reichtum. Fast ein Ritual sind für mich meine wochenendlichen Radtouren entlang der Elbe. Die einzigartige Flusslandschaft, dazwischen Industriedenkmäler wie das Kraftwerk Vockerode – das sind spannende Kontraste.

 

Kopf

Dr. Barbara Steiner ist seit September 2021 Direktorin des Bauhauses. Sie studierte Kunstgeschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie war Direktorin des Kunsthauses Graz, unterrichtete an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Barbara Steiner leitete die Kunstvereine in Ludwigsburg und Wolfsburg sowie die Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig. Darüber hinaus lehrte sie an der Kunstuniversität Linz, der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen und der Universität für Angewandte Kunst in Wien.

Sachsen-Anhalts Landesmotto: #moderndenken

Modernes Denken ist ein Markenzeichen Sachsen-Anhalts. Hier haben über Jahrhunderte hinweg kluge Köpfe weltverändernde Ideen entwickelt, die ihrer Zeit voraus waren. Sechs Ideen aus dem heutigen Sachsen-Anhalt hat die UNESCO als Erbe der Menschheit anerkannt. Das Bundesland besitzt eine einmalige Dichte von Welterbestätten. Hinzu kommen UNESCO-Modellregionen für Nachhaltigkeit. Die Region bot über Jahrhunderte Freiräume, modern zu denken. Dieser Geist, Neues zu wagen und vorzudenken, wirkt bis heute fort. Das belegen die vielen positiven Beispiele der Kampagne www.moderndenken.de

Im Landesportal, bei Instagram (@moderndenken) und im Magazin #moderndenken stellen wir kleine und große Ideen sowie ihre Protagonisten vor: Menschen, Unternehmen, Vereine, die vordenken, handeln und die Zukunft gestalten.
Die Kampagne