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Strukturwandel

Kohleausstieg, Digitalisierung, Klimawandel: Der Umbau der Wirtschaft ist eine große Herausforderung, bringt aber auch viele Chancen mit sich.

Um die Aufgaben der nächsten Jahre zu bewältigen sind die Bereitschaft zu Veränderungen, Wandlungskompetenz und Transformation gefragt. Und besonders hier kann Sachsen-Anhalt punkten: Seit vielen Jahren erfi ndet sich das Bundesland immer wieder neu, wenn es um Wege in die Zukunft geht. Das Land ist geprägt von zum Teil schwierigen aber erfolgreichen Transformationsprozessen.

Der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis 2038 ist eine aktuelle Herausforderung. Mit dem Strukturstärkungsgesetz gibt es eine sichere Grundlage, den Transformationsprozess finanziell zu unterstützen und trotz der Abkehr von der Braunkohle das Leben der Menschen im Land weiter zu verbessern.

Im Wandel liegen immer auch Chancen, sich neu und besser für die Zukunft aufzustellen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Sachsen- Anhalter Wandel gut können. Seit der Wiedervereinigung steht das Land unter einem stetigen Veränderungsdruck und konnte den Umbau der Wirtschaft bislang erfolgreich gestalten.

Wer nach langer Zeit wieder nach Sachsen-Anhalt kommt, reibt sich vermutlich die Augen. Nach der Wende litt das Land unter Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Allein in Magdeburg, wo das Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann (SKET) zerschlagen wurde, verloren in kürzester Zeit über 40.000 Menschen ihre Arbeit. Die Einwohnerzahl sank von knapp 290.000 (1989) auf 226.000 (2004). Magdeburg und das junge Sachsen-Anhalt waren „out“.

Die Stadt Magdeburg erfand sich neu und wurde mitten im Transformationsprozess 2012 vom Institut der deutschen Wirtschaft sogar zur dynamischsten Großstadt Deutschlands gekürt.

Jetzt investiert einer der weltgrößten Chiphersteller in Mega-Fabriken in Magdeburg. Die Intel-Ansiedlung ist eines der größten Investitionsvorhaben in Europa, die für viele neue Impulse sorgen wird - vom Ausbau der Infrastruktur über neue Studienangebote, den Bau von Wohngebieten und Schulen bis zum Ausbau des Kulturangebots.

Auch die Region Halle (Saale) hat ein besonderes Leuchtturmprojekt für nachhaltige und zukunftsträchtige Transformation, das ehemalige RAW-Gelände. Wo einst Dampflokomotiven repariert
wurden, soll auf 200.000 Quadratmetern ein neues Stadtquartier entstehen. „Wir wollen einen Ort für das Leben von morgen schaffen. Zum Arbeiten, Forschen, Gründen und Leben für tausende Menschen“, sagt Robert Weber, Geschäftsführer der Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft Halle-Saalkreis mbH.

In Halle sitzt auch das Landesamt für Umweltschutz (LAU). Das Landesamt steht für die beeindruckende Transformation Sachsen-Anhalts im Bereich Umweltschutz.

Die Präsidentin des Landesamtes, Dr. Sandra Hagel: „1991 war die schlechte Luftqualität eines der größten Umweltprobleme. Heute werden in ganz Sachsen-Anhalt sämtliche Grenzwerte für Luftschadstoffe eingehalten und rund um die Uhr durch ein landesweites digitales Luftmessnetz überwacht. Über die LÜSA-App können diese Werte von jedermann in Echtzeit abgerufen werden.“

Das Landesamt ist längst weitgehend digitalisiert. „Uns ist der Einstieg in die Zukunft gut gelungen. Wir sind dabei, eine Vielzahl von Umweltdaten digital zu erfassen“, sagt die Amts-Chefin. Schon bald sollen auch digitale Daten zur Verbreitung des Coronavirus im Wasser und Abwasser ins Netz gestellt werden.

Wer heute die Situation in Sachsen-Anhalt mit der des Jahres 1989 vergleicht, erkennt, wie viel sich verändert hat. Ein beeindruckendes Beispiel ist der Wandel in der Region Bitterfeld, die nach der Wende als Synonym für schlechte Luft und eine verschmutzte Umwelt galt. Heute ist Bitterfeld eine lebenswerte, grüne Stadt und die Bitterfelder Seenplatte mit der Goitzsche ein beliebtes Naherholungsgebiet. Auch wirtschaftlich geht Bitterfeld-Wolfen neue Wege. Gerade entsteht die erste Lithiumhydroxid-Raffinerie der Europäischen Union. Ab 2023 wird das Unternehmen AMG Lithium von Bitterfeld aus Europas Batteriehersteller mit dem Rohstoff versorgen und gleichzeitig den Stoff aus verbrauchten Batterien recyclen. Die Raffinerie soll einen entscheidenden Beitrag zur lokalen Versorgung der Batterieindustrie Europas leisten und die Entwicklung der Elektromobilität maßgeblich unterstützen.

Diesen erfolgreichen Strukturwandel will auch die Stadt Zeitz im Burgenlandkreis schaffen. Die Stadt im Braunkohlegebiet wirbt selbstbewusst mit dem Slogan „Stadt im Wandel“. Durch Werksschließungen und Abwanderung sank die Bevölkerungszahl nach der Wende fast um zwei Drittel. Jetzt kommt die nächste Herausforderung, der Ausstieg aus der Braunkohle.

Dank Fördermitteln aus dem Kohleausstieg geht die Transformation in eine neue Zeit voran. 2020 nahm ein Digitalisierungszentrum seine Arbeit auf. Es begleitet die Stadt auf dem Weg zur Smart City. Längst ist das Gelände der alten Nudelfabrik Zeitz kein „Lost Place“ mehr, sondern ein Kreativort mit einem von Künstlern viel genutzten Coworking Space. Im Virtual Reality Zentrum schaffen Künstler und Firmen Schnittstellen zwischen Kunst und Virtual Reality.

Oberbürgermeister Christian Thieme will Zeitz im Zuge des Strukturwandels mit Angeboten in Bildung, Kultur, Natur- und Umweltschutz zu einer attraktiven und lebenswerten Stadt umgestalten. Das lockt Firmen und Familien, zu kommen und zu bleiben. Die Digitalisierung ist bei alldem die treibende Kraft.

Mit den Herausforderungen und Fragestellungen einer ganzheitlichen Entwicklung des Mitteldeutschen Reviers in Sachsen-Anhalt haben sich mehr als 300 Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft der Region auseinandergesetzt. Die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses finden sich in einem Strukturentwicklungsprogramm wieder.

Das Strukturentwicklungsprogramm soll einen Fahrplan für die Entwicklung der Region aufzeigen und darstellen, wie die finanziellen Mittel des Bundes in Höhe von 4,8 Milliarden Euro bis 2038 mit konkreten Vorhaben im Revier untersetzt werden sollen. Die wesentlichen Ziele sind eine nachhaltige Wertschöpfung, Beschäftigung mit Perspektiven, Schaffung einer lebenswerten Umgebung und Aufbau eines Energiesystems der Zukunft, das auf erneuerbare Energien ausgerichtet ist. Die Ziele zeigen, dass der Strukturwandel kein Sprint ist, sondern eher einem Marathon gleicht.

Auch die Kultur ist im Bann des Wandels. Die Digitalisierung krempelt selbst Museen komplett um. Wie die Grube Glasebach bei Straßberg im Harz. 1990 geschlossen, wechselte das Schaubergwerk immer wieder den Betreiber. „Das Museum kann nur überleben, wenn es umgebaut, modernisiert und digitalisiert wird“, sagt Geschäftsführerin Gudrun Mehnert. „Wir stellen uns eine digitale Wanderung durch den Berg vor. Multimediale Anwendungen zur Geschichte, die Verbindung mit dem traditionellen Darstellen des Bergbaus.“ Für die Finanzierung sollen Fördermittel aus dem Strukturentwicklungsprogramm und einem neuen Förderprogramm Industriekultur bereitgestellt werden.

Mit den Veränderungen im Osten hat sich auch ein Festival in Bitterfeld auseinandergesetzt. An der Erstauflage Festival OSTEN nahmen mehr als 60 Künstler und 150 Studierende sowie ein breites Netzwerk mit fast 30 Kulturinstitutionen teil. In zahlreichen Projekten haben sich Kulturschaffende mit der Frage beschäftigt, was für sie „Osten“ heute bedeutet. Motto: Wenn Bitterfeld ein Beispiel für den Osten als Erfahrungslandschaft der Transformation ist, kann das Festival vielleicht Verstärker der Bewegungsenergie einer Region im Umbruch sein. Macherin Christine Leyerle erklärt das Ziel: „Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen, mit Kunst Begegnungen schaffen, Menschen motivieren, sich einzubringen.“

Im Programm von Festival OSTEN wird Bitterfeld als besonderer Schauplatz für Veränderung beschrieben. Vor 150 Jahren Heidelandschaft, vor 40 Jahren ein brodelnder Industriekessel, jetzt die Rückkehr der Natur und Wandel in eine neue Zukunft.


Zukunftsorte

In Sachsen-Anhalt sind 12 Standorte als Zukunftsorte ausgezeichnet worden:

  • der Agro-Chemie Park in Piesteritz
  • der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen
  • der Biopharmapark Dessau
  • der Chemiestandort Leuna
  • der Dow ValuePark in Schkopau und Böhlen
  • der Forschungscampus Stimulate Green Gate in Gatersleben
  • das Mitteldeutsche Medienzentrum in Halle (Saale)
  • der Technologiepark Weinberg Campus in Halle (Saale)
  • der Technologiepark Ostfalen in Barleben
  • der Wissenschaftshafen Magdeburg
  • der Chemie- und Industriepark Zeitz

Sachsen-Anhalts Landesmotto: #moderndenken

Modernes Denken ist ein Markenzeichen Sachsen-Anhalts. Hier haben über Jahrhunderte hinweg kluge Köpfe weltverändernde Ideen entwickelt, die ihrer Zeit voraus waren. Sechs Ideen aus dem heutigen Sachsen-Anhalt hat die UNESCO als Erbe der Menschheit anerkannt. Das Bundesland besitzt eine einmalige Dichte von Welterbestätten. Hinzu kommen UNESCO-Modellregionen für Nachhaltigkeit. Die Region bot über Jahrhunderte Freiräume, modern zu denken. Dieser Geist, Neues zu wagen und vorzudenken, wirkt bis heute fort. Das belegen die vielen positiven Beispiele der Kampagne www.moderndenken.de

Im Landesportal, bei Instagram (@moderndenken) und im Magazin #moderndenken stellen wir kleine und große Ideen sowie ihre Protagonisten vor: Menschen, Unternehmen, Vereine, die vordenken, handeln und die Zukunft gestalten.
Die Kampagne