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Strompioniere treiben Energiewende an

Wie ein Start-up aus der Lutherstadt Wittenberg weltweit die Energiewende antreibt. Die Strompioniere Daniel Hannemann und Simon Schandert erhielten für ihre Idee unter anderem den Deutschen Gründerpreis 2018.

Lutherstadt Wittenberg. Gut 47.000 Einwohner. Mit Martin Luther gelangte der Ort zu weltweiter Berühmtheit. Luther nagelte vor 500 Jahren seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche, was weltweit zur Reformation führte. Heute reisen jährlich hunderttausende Touristen in die Lutherstadt, um Geschichte und einzigartige Originalschauplätze zu erleben. Die Stadt im östlichen Sachsen-Anhalt ist ein idealer Ort für Veränderungen. Damals und heute.

Denn auch heute geht von der Lutherstadt ein Impuls mit internationaler Wirkung aus – diesmal auf dem industriellen Sektor, konkret bei der Nutzung erneuerbarer Energien.

Knapp fünf Kilometer von der Thesentür entfernt, hat in einem kleinen Gewerbegebiet ein junges Unternehmen seinen Sitz, das mit Stromspeichern international für Furore sorgt: Tesvolt. Die Köpfe dahinter sind Simon Schandert (29) und Daniel Hannemann (32) – beide aus der Lutherstadt. In nur vier Jahren entwickelten sie ihr Start-up Tesvolt zu einem weltweit erfolgreichen Unternehmen.

Strom aus erneuerbaren Energien für 250.000 Menschen in Mali.

Sie kennen sich seit ihrer Jugend, gingen zusammen zur Schule und ärgerten sich darüber, dass es bislang nicht möglich war, Strom aus Sonne und Wind effizient und wirtschaftlich zu speichern. Aus diesem Frust heraus entwickelten die jungen Unternehmer stationäre Batterien, die zwischen zehn Kilowattstunden und hundert Megawattstunden Strom speichern. Der Strom aus erneuerbaren Energien kann völlig autark Pumpen, Klimaanlagen, Küchen-Geräte oder Elektrofahrzeuge antreiben – sowohl in Agrarbetrieben, Kühlhäusern, Bäckereien und Tankstellen als auch in der Gastronomie, ebenso wie zum Beispiel in einem Gebiet in Mali, in dem 250.000 Menschen leben. Ein weiterer Vorteil: „Unsere Kunden können den Strom entweder verkaufen, wenn das Angebot gering und die Preise hoch sind, oder sie können ihn selbst nutzen“, sagt Daniel Hannemann, und: „Mit unseren Batterieanlagen können auch schwächere Netzsysteme bei Stromausfällen unterstützt werden. Dann springen die Batterien ein und der Ausfall wird überbrückt.“

Sogar in Fahrgastschiffen werden die Batterien eingesetzt. Auch auf Containerschiffen sollen bald Stromspeicher aus der Lutherstadt Wittenberg über die Weltmeere schippern. Ein niederländischer Reeder möchte seine Flotte umrüsten, sie sollen ohne Abgase unterwegs sein. Tesvolt möchte hier aus einer Vision einen neuen Markt schaffen. Was das System von Simon Schandert und Daniel Hannemann so außergewöhnlich macht, ist die selbstentwickelte Batteriesteuerung, die die Speicher langlebig und wirtschaftlich macht. „Batterien bestehen aus mehreren Zellen. Diese entladen sich unterschiedlich“, erklärt Simon Schandert, „das muss ausgeglichen werden. Mittels Widerständen wird überschüssige Energie einzelner Zellen in ungenutzte Wärmeenergie umgewandelt. Die Batterie wird schneller leer. Es kommt zu Ausfällen.“ 

Wie ein Start-up aus der Lutherstadt Wittenberg weltweit die Energiewende antreibt. Die Strompioniere Daniel Hannemann und Simon Schandert erhielten für ihre Idee unter anderem den Deutschen Gründerpreis 2018.

Lutherstadt Wittenberg. Gut 47.000 Einwohner. Mit Martin Luther gelangte der Ort zu weltweiter Berühmtheit. Luther nagelte vor 500 Jahren seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche, was weltweit zur Reformation führte. Heute reisen jährlich hunderttausende Touristen in die Lutherstadt, um Geschichte und einzigartige Originalschauplätze zu erleben. Die Stadt im östlichen Sachsen-Anhalt ist ein idealer Ort für Veränderungen. Damals und heute.

Denn auch heute geht von der Lutherstadt ein Impuls mit internationaler Wirkung aus – diesmal auf dem industriellen Sektor, konkret bei der Nutzung erneuerbarer Energien.

Knapp fünf Kilometer von der Thesentür entfernt, hat in einem kleinen Gewerbegebiet ein junges Unternehmen seinen Sitz, das mit Stromspeichern international für Furore sorgt: Tesvolt. Die Köpfe dahinter sind Simon Schandert (29) und Daniel Hannemann (32) – beide aus der Lutherstadt. In nur vier Jahren entwickelten sie ihr Start-up Tesvolt zu einem weltweit erfolgreichen Unternehmen.

Strom aus erneuerbaren Energien für 250.000 Menschen in Mali.

Sie kennen sich seit ihrer Jugend, gingen zusammen zur Schule und ärgerten sich darüber, dass es bislang nicht möglich war, Strom aus Sonne und Wind effizient und wirtschaftlich zu speichern. Aus diesem Frust heraus entwickelten die jungen Unternehmer stationäre Batterien, die zwischen zehn Kilowattstunden und hundert Megawattstunden Strom speichern. Der Strom aus erneuerbaren Energien kann völlig autark Pumpen, Klimaanlagen, Küchen-Geräte oder Elektrofahrzeuge antreiben – sowohl in Agrarbetrieben, Kühlhäusern, Bäckereien und Tankstellen als auch in der Gastronomie, ebenso wie zum Beispiel in einem Gebiet in Mali, in dem 250.000 Menschen leben. Ein weiterer Vorteil: „Unsere Kunden können den Strom entweder verkaufen, wenn das Angebot gering und die Preise hoch sind, oder sie können ihn selbst nutzen“, sagt Daniel Hannemann, und: „Mit unseren Batterieanlagen können auch schwächere Netzsysteme bei Stromausfällen unterstützt werden. Dann springen die Batterien ein und der Ausfall wird überbrückt.“

Sogar in Fahrgastschiffen werden die Batterien eingesetzt. Auch auf Containerschiffen sollen bald Stromspeicher aus der Lutherstadt Wittenberg über die Weltmeere schippern. Ein niederländischer Reeder möchte seine Flotte umrüsten, sie sollen ohne Abgase unterwegs sein. Tesvolt möchte hier aus einer Vision einen neuen Markt schaffen. Was das System von Simon Schandert und Daniel Hannemann so außergewöhnlich macht, ist die selbstentwickelte Batteriesteuerung, die die Speicher langlebig und wirtschaftlich macht. „Batterien bestehen aus mehreren Zellen. Diese entladen sich unterschiedlich“, erklärt Simon Schandert, „das muss ausgeglichen werden. Mittels Widerständen wird überschüssige Energie einzelner Zellen in ungenutzte Wärmeenergie umgewandelt. Die Batterie wird schneller leer. Es kommt zu Ausfällen.“  

Aus einer Vision einen neuen Markt schaffen.

Der von den Wittenbergern patentierte Active Battery Optimizer erkennt die Leistungsschwankungen der einzelnen Zellen und korrigiert dies kontinuierlich. Dadurch werden nicht nur Ausfälle vermieden, sondern es wird auch die Lebensdauer der Batterie um mehrere Jahre erhöht.
Simon Schandert erinnert sich: „Das Thema erneuerbare Energien hat mich schon als Jugendlicher fasziniert. Als ich 13 war, drückte mir mein Vater, der eine Elektrofirma besitzt, eines Tages ein Buch über Photovoltaik in die Hand und meinte: ,Lies das mal und schau, ob das für unser Unternehmen etwas sein könnte.‘“

Simon Schandert las und war begeistert: „Mein Vater und ich sind alles durchgegangen und er hat begonnen, Photovoltaikanlagen zu installieren.“ Sehr erfolgreich.
Kein Wunder, dass der junge Mann nach dem Abitur eine Ausbildung bei seinem Vater zum Elektroniker begann: „Ich habe gleich um zwei Jahre verkürzt, da ich ja schon alles wusste, was in der Ausbildung erwartet wurde.“
Eines Tages stand Daniel Hannemann im Geschäft des Vaters und bat um Rat: „Sein Großvater besaß eine Landwirtschaft mit Kühen, suchte aber nach Alternativen zu den teuren Strompreisen.“

Die hatten Simon und Daniel: Auf den Dächern des Hofes bauten sie eine riesige Solaranlage und verkauften den produzierten Sonnenstrom. Schnell fiel den beiden auf, dass man die erzeugte Energie viel effizienter selbst nutzen könnte. Daniel Hannemann: „Es gab aber noch keine modernen Batteriespeicher auf Lithium-Ionen-Basis in den benötigten Größen.“ Also begannen Simon und Daniel, selbst einen entsprechenden Speicher zu entwickeln. Ganz allein! Ohne einen großen Konzern im Rücken. „So entstand Tesvolt“, sagt Simon Schandert und fügt hinzu: „Unsere Firma haben wir nach den Batterie-Erfindern Nikola Tesla und Alessandro Volta benannt.“
Das Ziel des Unternehmens formulieren die Gründer auf der Homepage (www.tesvolt.com) klar: Unsere Mission ist es, immer und überall bezahlbare Energie zu ermöglichen! Ein Ziel ist bereits erreicht: Wer Strom mit Tesvolt-Batterien speichert, kann den Preis pro Kilowattstunde auf unter 10 Cent senken – übrigens auch bei Elektroautos.
Mittlerweile ist es möglich, bis zu 5.000 Lithium-Batterien zusammenzuschalten, um Mega-Strom-Versorgungen zu ermöglichen. Sei es Amerika, Europa, Afrika, Asien oder Australien: „Jede Anlage wird auf die Klimabedingungen eines jeden Landes ausgerichtet, damit eine kontinuierliche Stromversorgung gewährleistet werden kann“, sagt Simon Schandert. In der kasachischen Stadt Astana zum Beispiel unterstützen Tesvolt-Speicher die Stromversorgung auf dem EXPO-Gelände.

Preise und Auszeichnungen für die bahnbrechende Idee.

2015 begann Tesvolt mit der Speicherproduktion in einer Gewerbehalle in der Lutherstadt. Bereits drei Jahre später setzt das Unternehmen mehrere Millionen Euro um und beschäftigt gut 50 Mitarbeiter. Die bahnbrechende Idee des Unternehmens wurde unter anderem 2016 mit dem Hugo-Junkers-Preis und 2018 mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet.

Mit wachsendem Erfolg kamen auch steigende Herausforderungen: „Plötzlich wurden Daniel und ich bei jedem Problem um Rat gefragt. Wir sollten alles entscheiden – vom Bleistiftkauf bis zum Großprojekt“, erzählt Schandert. Die eigentliche Arbeit wurde nicht mehr geschafft und aus den flachen Hierarchien eines Start-up-Unternehmens wurden plötzlich Strukturen wie in einem Konzern.
Daniel Hannemann und Simon Schandert holten sich Unterstützung von außen und krempelten ihr Unternehmen um: Seit dem 1. Februar 2018 gibt es bei Tesvolt keine Chefs mehr. Stattdessen sieben Teams von Gleichberechtigten, die untereinander ihre Aufgaben verteilen und eigenständig entscheiden. So kann sich jeder Einzelne optimal einbringen und sein Potential frei entfalten.
Die gruppenübergreifende Kommunikation findet zwischen den Teamleitern statt, die bei Bedarf direkt an die Geschäftsführer berichten. „So ist alles transparenter geworden. Auch wird viel mehr miteinander geredet. Und, und das ist wichtig, wir sind durch die Umstrukturierungen wieder deutlich leistungsfähiger und schneller“, erzählt Simon Schandert, lächelt und fährt fort: „Auch Daniel und ich können uns endlich wieder um unsere eigentlichen Aufgaben kümmern.“ Bei ihm sind das derzeit die Entwicklung neuer Stromsysteme, seine Masterarbeit und seine Familie, zu der seit einiger Zeit eine kleine Tochter gehört.

Flache Hierarchien, Innovation und Zukunftsperspektiven.

Damit nicht genug: Tesvolt sieht es als Herausforderung an, bei Neueinstellungen möglichst viele Heimkehrende, die einst wegen der besseren Job-Chancen aus Sachsen-Anhalt weggezogen sind, zurückzuholen. Auch hier sind die Wittenberger sehr erfolgreich und überzeugen mit ihrem Konzept hochqualifizierte Kräfte. Gerade erst ist ein Experte, der viele Jahre für Porsche in Stuttgart in der Entwicklungsabteilung arbeitete, als Entwickler in die Lutherstadt gekommen.
Simon Schandert: „Tatsächlich spielen Geld oder ein größerer Dienstwagen bei einer Entscheidung zu unseren Gunsten nur eine untergeordnete Rolle. Wir punkten mit Nachhaltigkeit des Unternehmens, Zukunftsperspektiven, Innovation und flachen Hierarchien.“
Im Jahr 2018 – ein Jahr nachdem das 500-jährige Reformationsjubiläum gefeiert wurde – haben die Tesvolt-Mitarbeiter ebenfalls 95 Thesen aufgestellt. Thema: Die Reformation der Energiewende.
www.tesvolt.de

Innovationspreis des Mittelstandes an Tesvolt

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Sachsen-Anhalts Landesmotto: #moderndenken

Modernes Denken ist ein Markenzeichen Sachsen-Anhalts. Hier haben über Jahrhunderte hinweg kluge Köpfe weltverändernde Ideen entwickelt, die ihrer Zeit voraus waren. Sechs Ideen aus dem heutigen Sachsen-Anhalt hat die UNESCO als Erbe der Menschheit anerkannt. Das Bundesland besitzt eine einmalige Dichte von Welterbestätten. Hinzu kommen UNESCO-Modellregionen für Nachhaltigkeit. Die Region bot über Jahrhunderte Freiräume, modern zu denken. Dieser Geist, Neues zu wagen und vorzudenken, wirkt bis heute fort. Das belegen die vielen positiven Beispiele der Kampagne www.moderndenken.de

Im Landesportal, bei Instagram (@moderndenken) und im Magazin #moderndenken stellen wir kleine und große Ideen sowie ihre Protagonisten vor: Menschen, Unternehmen, Vereine, die vordenken, handeln und die Zukunft gestalten.
Die Kampagne