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Work-Life-Balance als Firmenphilosophie

Unternehmerin Jeannette Krüger, Gewinnerin des Deutschen Gründerpreises, setzt sich für eine Verknüpfung von Arbeit und Familie im Betrieb ein.

Magdeburger Garage in die Selbständigkeit. 20 Jahre später lenken Sie eine erfolgreiche Unternehmens-Gruppe. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?


JK: Ich glaube, es ist ganz wichtig, authentisch zu sein. Ich glaube an das, wofür ich einstehe, an meine Unternehmensphilosophie. Geschäftsideen kommen in der Marktwirtschaft oft von außen, aber der Antrieb, unternehmerisch tätig zu sein, der kommt tief aus meinem Inneren.


Warum ist Ihre Geschäftsidee, GastroFiB - eine Finanzbuchhaltung für Gastronomen - so einzigartig?


JK: Mit GastroFiB wurde ein einzigartiges Frühwarnsystem entwickelt, das dem Gastronom ein effektives System zur wirtschaftlichen Kontrolle seines Unternehmens bietet. Wir haben schon sehr früh auf die Digitalisierung gesetzt, mit den ersten Schritten bereits ab 1999. Mandanten konnten ihre Zahlen auf elektronischem Wege einsehen. Vom Scannen von Belegen über Software, Cloud-Lösungen bis hin zu elektronischen Kassenbüchern hat sich das Schritt für Schritt entwickelt und die Arbeit sehr erleichtert.


Was oder wer hat Sie inspiriert, Unternehmerin zu werden?


JK: (lacht) Ich habe gar nicht geahnt, dass eine Unternehmerin in mir steckt. Ich hatte unter anderem eine Ballett-Ausbildung und wollte Tanzpädagogik studieren. Als ich aber im Unternehmen meines Mannes arbeitete, landete ich rasch in der Prokura und fand das unheimlich spannend. Da habe ich gemerkt: Irgendwas ist in mir, dass ich das kann. Was mich antreibt, ist der Generationenwechsel. Ich möchte etwas erschaffen für die jungen Leute, die hier nachwachsen. Das sind übrigens nicht mehr klassische Finanzbuchhalter oder Steuerfachangestellte – wir bezeichnen sie gern als „Fibutroniker“. Sie können ihre Affinität für Zahlen mit Technik verbinden. Das ist allerdings noch ein eher männerbesetzter Bereich. Schade eigentlich. Ich vermisse hier die jungen Frauen.


Sie engagieren sich für die Initiative „FRAUEN unternehmen“. Wie ermutigen Sie junge Frauen, die überlegen, ob sie ein Unternehmen gründen sollen?


JK: Den jungen Mädchen möchte ich gern sagen, dass es aus meiner Sicht sogar ihre Verpflichtung ist, sich einzubringen. Wenn wir etwas verändern wollen, genügt es nicht, über eine „Männerwelt“ zu reden – wir müssen selbst etwas tun. Und ich will ihnen sagen, dass sich genau das lohnt: dass man selbstbestimmter lebt, auf Augenhöhe. Ich wünsche mir, dass die jungen Frauen sehen, wozu sie fähig sind. Ich möchte dazu gerne Vorbild sein.


Sie wurden als Vorbildunternehmerin vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ausgezeichnet. Wie würden Sie Ihre Unternehmensphilosophie beschreiben?


JK: Mich interessiert der Mensch, nicht der nackte Kapitalismus. Mir ist klar, dass das Gewinn-Machen in der Marktwirtschaft dazugehört, aber das steht für mich nicht alleine im Vordergrund. Mir ist es wichtig, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganzheitlich zu betrachten, ehrliches Interesse zu zeigen: Wo kommen sie her? Was sind ihre Träume? Dann fühlt man sich als Mensch ernst genommen und ist motivierter. Daraus entsteht Lust, jeden Tag gerne zur Arbeit zu kommen.


Sie setzen sich für die Verknüpfung von Arbeit und Familie im Betrieb ein. Wie kann Ihrer Meinung nach die Work-Life-Balance gelingen?


JK: Als Mutter von zwei Söhnen weiß ich, was es heißt, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Und genau dafür wollen wir hier im Unternehmen von Anfang an gute Bedingungen schaffen. Durch die Kooperation mit Tagesmüttern oder die Zahlung von Kita-Zuschüssen. Durch flexible Arbeitszeiten und Unterstützung, wenn Angehörige zu pflegen sind. Wir bieten allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Home-Office-Tag im Monat, schon seit 2005. Und wir versuchen, Freiräume zu geben, wo es geht. Wir merken im Unternehmen, dass diese Philosophie funktioniert. Wir haben einen extrem niedrigen Krankenstand. Und, auch dank der Digitalisierung, eine derartige Steigerung in Produktivität und Effektivität erreicht, dass wir unseren Mitarbeitern eine Vier-Tage-Woche zugestehen können. Das ist für mich modernes Arbeiten.


Ihre Wurzeln liegen in Magdeburg, Sachsen-Anhalt. Hier haben Sie auch Ihr Unternehmen gegründet. Welche Vorteile bietet Ihnen diese Region?


JK: In der Nachwendezeit konnte ich auf sehr flexible Strukturen zurückgreifen Krügerund wenn es mal eine Krise gab, habe ich immer gemerkt: Es ist ein Netzwerk da, das mir hilft. Ansprechpartner wie die IHK etwa. Dazu kommt die Kinderbetreuung, die hier im Osten einen ganz anderen Stellenwert hat und viel besser ausgebaut ist als in anderen Bundesländern. Es gibt hier noch bezahlbarere Löhne. Vor allem aber bin ich hier verwurzelt. Ich mag die Mentalität der Menschen, das „Geerdete“, ihr Herz und ihre Seele.


Das Landesmotto Sachsen-Anhalts ist #moderndenken. Was bedeutet modernes Denken für Sie?


JK: Den Mut zu haben, Konventionen zu verlassen, weil ich daran glaube. Etwas Neues entstehen zu lassen, um etwas besser zu machen zum Wohle aller. Ich stelle Sachen in Frage. Wer sagt, dass etwas so sein muss, wie es schon immer war? Dass ein 18-Jähriger und ein 60-Jähriger nicht ein tolles Team bilden können? Wir arbeiten mit moderner Technik und verbinden das mit modernen Führungsqualitäten. Tun beides anstelle von „entweder … oder“. Das In-Frage-Stellen treibt mich an.


Was sind Ihre nächsten Ziele?


JK: Zum einen den anstehenden Generationswechsel zu bewältigen. Mit unseren jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier im Unternehmen, vielleicht auch mal mit unseren Söhnen. Dann möchte ich als Chefin und Führungskraft für die jungen Menschen ein Umfeld mit ganz realen zwischenmenschlichen Bindungen schaffen, jenseits der sozialen Medien. Und vielleicht mit den jungen Menschen etwas Neues bauen, das ich selbst noch gar nicht kenne. Ich will ihnen Freiräume geben, das Morgen zu erschaffen. Ich will sie zu mutigen Mitdenkern und Mitdenkerinnen machen.

 

Kopf

Jeannette Krüger ist in Magdeburg geboren und hat hier ihr Unternehmen GastroFiB gegründet. Mit der Idee einer Finanzbuchhaltung, speziell für das Hotel- und Gaststättengewerbe, ist GastroFiB deutschlandweit einzigartig. Heute zählt das Unternehmen mehrere Niederlassungen bundesweit. Die zweifache Mutter wurde u.a. mit dem Deutschen Gründerpreis und dem Innovations- und Ethikpreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet und ist zugleich vom Bundesministerium für Familie für vorbildliche Personalpolitik „Erfolgsfaktor Familie“ und als Siegerin Work-Life-Balance geehrt worden.

Sachsen-Anhalts Landesmotto: #moderndenken

Modernes Denken ist ein Markenzeichen Sachsen-Anhalts. Hier haben über Jahrhunderte hinweg kluge Köpfe weltverändernde Ideen entwickelt, die ihrer Zeit voraus waren. Sechs Ideen aus dem heutigen Sachsen-Anhalt hat die UNESCO als Erbe der Menschheit anerkannt. Das Bundesland besitzt eine einmalige Dichte von Welterbestätten. Hinzu kommen UNESCO-Modellregionen für Nachhaltigkeit. Die Region bot über Jahrhunderte Freiräume, modern zu denken. Dieser Geist, Neues zu wagen und vorzudenken, wirkt bis heute fort. Das belegen die vielen positiven Beispiele der Kampagne www.moderndenken.de

Im Landesportal, bei Instagram (@moderndenken) und im Magazin #moderndenken stellen wir kleine und große Ideen sowie ihre Protagonisten vor: Menschen, Unternehmen, Vereine, die vordenken, handeln und die Zukunft gestalten.
Die Kampagne